| In der Folge der digitalen Revolution ist unsere Gesellschaft von einer tief greifenden sozialen und kulturellen Transformation erfasst, die sich insbesondere auf die Strukturen von Wirtschaft und Arbeitsmarkt auswirkt. Für das volkswirtschaftliche Wachstum in unserem Land wird in Zukunft Wissen die wichtigste Ressource sein, und die meisten Jobs werden mit der Verarbeitung von Daten und Wissen zu tun haben. Wichtig ist, dass unser Arbeitsmarkt sich flexibel auf die Anforderungen der neuen Ökonomie einstellen und genügend gut ausgebildete Kräfte zur Verfügung stellen kann. Dies ist bisher nicht der Fall. Die Gründe liegen unter anderem in der fehlenden Bereitschaft der Menschen, neue berufliche und soziale Qualifikationen zu erwerben.
Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass eine Vielzahl von Gruppen und Personen quer durch alle gesellschaftlichen Schichten bisher wenig bis gar kein Interesse an der Nutzung des Internets zeigt. Das Internet spielt aber in vielen Wirtschafts- und Arbeitsprozessen schon jetzt eine zentrale Rolle, die in Zukunft noch zunehmen wird, und auch aus der Aus- und Weiterbildung ist es inzwischen nicht mehr wegzudenken. Es ist für unsere Gesellschaft enorm wichtig, dass wir das Auseinanderfallen in Menschen, die an modernen Wirtschafts- und Arbeitsprozessen teilhaben und solchen, denen die berufliche und soziale Qualifikation dafür fehlt, verhindern. Patentrezepte dafür gibt es nicht, wohl aber Mittel und Wege, die geeignet erscheinen, zur Überwindung des digitalen Grabens beizutragen.
Die erste Phase des Internets stand im Zeichen des Netzzugangs. Hier wurde in den vergangenen Jahren vieles erreicht. In der zweiten Phase geht es jetzt um den kompetenten Umgang mit dem Medium, um nutzerfreundliche und sichere Hard- und Software, um nützliche Inhalte und um die Frage der Kosten. Doch wer aus dem Netz keinen praktischen Nutzen für sich ziehen kann, wird sich selbst durch einen kostengünstigen Zugang kaum zu einem privaten Anschluss bewegen lassen. Erfolgversprechender sind hier Ansätze, die auf Anreize zur Schaffung eines internetfreundlichen Klimas und zielgruppenspezifische Inhalte setzen. Nur wenn die Menschen bisher benachteiligter gesellschaftlicher Gruppen einen konkreten Nutzen durch das Internet haben und mit seiner Hilfe sich informieren, arbeiten und sich weiterbilden können, werden sie bereit sein, es in ihr tägliches Leben zu integrieren.
Hier können sich Staat, Wirtschaft und Verbände engagieren. Der Staat kann dazu beitragen,
dass ein dynamisches digitales Klima entsteht, in dem vielfältige unternehmerische Aktivitäten gedeihen. Durch die Entwicklung und den Einsatz vorbildhafter Beteiligungsverfahren können Bürger und Bürgerinnen ermutigt werden, das Internet als nützliches Medium zu akzeptieren. Durch Public-Private-Partnerships und die aktive Beteiligung gesellschaftlicher Gruppen und Verbände können Strategien entwickelt werden, durch die das Internet langfristig auch zu einer Verbesserung der Lebensqualität beiträgt.
Der gemeinsam von der Burda Akademie zum Dritten Jahrtausend und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie durchgeführte Kongress "Internet für alle - Chancengleichheit im Netz" stellt internationale Leitprojekte, europäische Aktionslinien und nationale Entwicklungen vor. In den Workshops des Kongresses kann das Publikum aktiv mitdiskutieren und eigene Vorstellungen einbringen. Eine umfangreiche Projektausstellung macht deutlich, dass sowohl in Deutschland wie in anderen europäischen Ländern und den USA bereits viele gute Ansätze entwickelt wurden, die es nun gemeinsam weiterzuentwickeln gilt.
Für alle, deren Interesse und Anliegen die Überwindung der digitalen Spaltung ist, wird es interessant sein zu sehen, welches die spezifischen Faktoren für den Erfolg der einzelnen Projekte sind und welche Hindernisse und Barrieren mit welchen Strategien überwunden wurden. Entscheidungsträger unterschiedlicher Bereiche und Ebenen werden aus den Diskussionsbeiträgen und Präsentationen des Kongresses eine Vielfalt von Ideen für neue Projekte und die Verbesserung bestehender Projekte gewinnen,

Christa Maar
Präsidentin Burda Akademie zum Dritten Jahrtausend
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